Das klagende Lied (1880)
Ein Wettstreit zwischen den Wiener Kommilitonen Hugo
Wolf und Gustav Mahler hatte den Grundstein zu dem Werk gelegt: Die gemeinsame
Begeisterung für Richard Wagners "Tannhäuser" und damit
auch die Vorliebe für das deutsche Mittelalter (Mahler besuchte an der
Wiener Universität mittel- und althochdeutsche Übungen und Vorlesungen)
weckten den Wunsch, eine eigene Märchenoper zu schreiben. Die beiden Teenager
legten sich auf den Rübezahl-Stoff fest. Doch als Gustav dem Freund mit
seinem Textbuch zuvorkam, war Hugo sauer und zog sich zurück. Mahler indessen
verfolgte das Projekt weiter. Seine musikalische Fantasie entflammte sich an
Ludwig Bechsteins Märchen "Das klagende Lied". Er schrieb am
18. März 1878 nach dieser Volkssage eine eigene Balladendichtung und vermengte
sie mit Elementen aus Grimms Märchen "Der singende Knochen".
Da war er "17 ½ Jahre alt", wie er stolz auf einer späteren
Abschrift notierte. Mit der Komposition begann er im Herbst 1879 und vollendete
sie ein Jahr später im November 1880.
Erst am 7. Oktober 1997 wurde diese ursprüngliche Fassung vom Hallé
Orchestra unter Kent Nagano in Manchester uraufgeführt und 1998 im Supplement
Band 4 der Kritischen Gesamtausgabe, herausgegeben von Reinhold Kubik, veröffentlicht.
Christine Mitlehner
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