Gustav Mahler
(1860-1911)

Das klagende Lied (1880)


Ein Wettstreit zwischen den Wiener Kommilitonen Hugo Wolf und Gustav Mahler hatte den Grundstein zu dem Werk gelegt: Die gemeinsame Begeisterung für Richard Wagners "Tannhäuser" und damit auch die Vorliebe für das deutsche Mittelalter (Mahler besuchte an der Wiener Universität mittel- und althochdeutsche Übungen und Vorlesungen) weckten den Wunsch, eine eigene Märchenoper zu schreiben. Die beiden Teenager legten sich auf den Rübezahl-Stoff fest. Doch als Gustav dem Freund mit seinem Textbuch zuvorkam, war Hugo sauer und zog sich zurück. Mahler indessen verfolgte das Projekt weiter. Seine musikalische Fantasie entflammte sich an Ludwig Bechsteins Märchen "Das klagende Lied". Er schrieb am 18. März 1878 nach dieser Volkssage eine eigene Balladendichtung und vermengte sie mit Elementen aus Grimms Märchen "Der singende Knochen". Da war er "17 ½ Jahre alt", wie er stolz auf einer späteren Abschrift notierte. Mit der Komposition begann er im Herbst 1879 und vollendete sie ein Jahr später im November 1880.
Erst am 7. Oktober 1997 wurde diese ursprüngliche Fassung vom Hallé Orchestra unter Kent Nagano in Manchester uraufgeführt und 1998 im Supplement Band 4 der Kritischen Gesamtausgabe, herausgegeben von Reinhold Kubik, veröffentlicht.

Christine Mitlehner
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