Quartetto per archi in due tempi (1955)
Bruno Maderna empfing seine musikalisch-handwerklichen
Impulse aus zwei Richtungen: zum einen brachte sein Lehrer Gian Francesco Mailipiero
ihn mit alter Musik der Renaissance und des Frühbarock in Kontakt. Zum
anderen machte ihn sein Mentor Hermann Scherchen auf die Darmstädter Ferienkurse
aufmerksam, an denen Maderna seit 1951 regelmäßig teilnahm. Hier
kam er mit der Zwölfton-Komponiermethode von Schönberg und dessen
Schülern in Berührung.
Aus den so unterschiedlichen ästhetisch-handwerklichen Richtungen ergab
sich in Gestalt des Komponisten Maderna eine beinahe klassizistische Klarheit
des seriellen (Zwölfton-)Komponierens, eine spezifisch italienische Lesart
der Schönberg-Methode.
Zu seinen verhältnismäßig streng seriellen Frühwerken gehört
das Streichquartett in zwei Sätzen von 1955. Eine beinahe unendliche Melodie
entwickelt sich über alle vier Streichinstrumente. Die Einheit dieses Klanggeflechts
ist ebenso beeindruckend wie ihre Durchhörbarkeit.
Tilman Schlömp
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