Les Préludes
Symphonische Dichtung Nr.3
Die Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts ist wesentlich
geprägt von einer ästhetischen Grundsatzkontroverse, deren unlösbare
Form-Inhalts - Problematik sämtliche Bereiche sowohl des kompositorischen
Schaffens als auch der Rezeption von Musik beeinflußte und bis in unsere
Zeit Gelehrte in Verlegenheit bringt oder diese zu Pauschalurteilen à
la "Form ist nieder-geschlagener Inhalt" (Theodor W. Adorno ) nötigt:
Bestimmt die Form den Inhalt oder umgekehrt ? Manifestiert sich in der Form
der Inhalt oder besteht der Inhalt in der Form? Das Jonglieren mit Begriffen
sorgt allenthalben für größere Verwirrung, und Adornos weithin
als des Rätsels Lösung angesehenes Diktum läßt sich nach
allen Seiten drehen und wenden - die verhießene Erlösung von der
eigenen Verwirrung bleibt es schuldig.
Musikern und Musikschreibern des 19. Jahrhunderts stellte sich das Problem keineswegs
weniger kompliziert dar. Die musikalische Kontroverse wurde geschürt von
dem Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick, der die Gruppe von "Zukunftsmusikern",
die sich als sogenannte "Neudeutsche Schule" um Franz Liszt in Weimar
gruppiert hatte und in der Nachfolge Berlioz' um eine "Erneuerung der Musik
durch ihre innigere Verbindung mit der Dichtkunst" (Franz Liszt) bemüht
war, bekämpfte. Liszt selbst war es, der eine neue musikalische Gattung
ersann, die er 1849 erstmals als "Symphonische Dichtung" bezeichnete.
Mark Schulze Steinen
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