Franz Liszt
(1811-1886)

Les Préludes
Symphonische Dichtung Nr.3


Die Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts ist wesentlich geprägt von einer ästhetischen Grundsatzkontroverse, deren unlösbare Form-Inhalts - Problematik sämtliche Bereiche sowohl des kompositorischen Schaffens als auch der Rezeption von Musik beeinflußte und bis in unsere Zeit Gelehrte in Verlegenheit bringt oder diese zu Pauschalurteilen à la "Form ist nieder-geschlagener Inhalt" (Theodor W. Adorno ) nötigt: Bestimmt die Form den Inhalt oder umgekehrt ? Manifestiert sich in der Form der Inhalt oder besteht der Inhalt in der Form? Das Jonglieren mit Begriffen sorgt allenthalben für größere Verwirrung, und Adornos weithin als des Rätsels Lösung angesehenes Diktum läßt sich nach allen Seiten drehen und wenden - die verhießene Erlösung von der eigenen Verwirrung bleibt es schuldig.
Musikern und Musikschreibern des 19. Jahrhunderts stellte sich das Problem keineswegs weniger kompliziert dar. Die musikalische Kontroverse wurde geschürt von dem Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick, der die Gruppe von "Zukunftsmusikern", die sich als sogenannte "Neudeutsche Schule" um Franz Liszt in Weimar gruppiert hatte und in der Nachfolge Berlioz' um eine "Erneuerung der Musik durch ihre innigere Verbindung mit der Dichtkunst" (Franz Liszt) bemüht war, bekämpfte. Liszt selbst war es, der eine neue musikalische Gattung ersann, die er 1849 erstmals als "Symphonische Dichtung" bezeichnete.

Mark Schulze Steinen
Zeichen 19089
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