Melodien (1971)
für Orchester
Als György Ligeti ein anlässlich des 300. Geburtstages von Albrecht Dürer komponiertes, am 10. Dezember 1971 in Nürnberg uraufgeführtes Orchesterwerk mit dem Titel "Melodien" versah, hatte er sich längst einen Namen als einer der führenden Komponisten seiner Zeit gemacht. Als Markenzeichen des 1923 in Siebenbürgen geborenen Komponisten galt seit seinem internationalen Durchbruch beim Kölner Festival der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik des Jahres 1960 ein satztechnisches Prinzip, dass Ligeti mit dem (von ihm selbst später als "wahnsinnig wichtigtuerisch" bezeichneten) Begriff "Mikropolyphonie" charakterisierte. Angeregt durch Erfahrungen als freier Mitarbeiter im Kölner Studio für elektronische Musik des WDR schrieb der Komponist Werke, deren kompositorische Parameter (Tonhöhe, Rhythmus, Klangfarbe etc.) so diffizil aufgefächert und miteinander verwoben waren, dass Einzelstimmen mit dem bloßen Ohr kaum mehr wahrzunehmen waren und sich der Eindruck eines statischen Klangkontinuums ergab. .
Mark Schulze Steinen
Zeichen 4410