Lontano (1967)
für großes Orchester
Stanley Kubrick machte den Anfang: 1968 unterlegte der
US-amerikanische Regisseur Passagen seines bildmächtigen Films "2001
- Odyssee im Weltraum" Ausschnitte aus Kompositionen des fünf Jahre
älteren György Ligeti. Die geheimnisvollen Klangbilder, der der ungarische
Komponist in seinen Orchesterwerken "Atmosphères" (1961) und
"Aventures" (1962/63), der Chorkomposition "Lux Aeterna"
(1966) und dem zwischen 1963 und 1965 entstandenen "Requiem" für
Sopran, Mezzosopran, zwei gemischte Chöre und Orchester entworfen hatte,
schienen wie dafür gemacht, Kubricks bedrohlich schöne filmische Visionen
musikalisch zu unterstreichen. Zwölf Jahre später dann verliehen Auszüge
aus Teilen von Ligetis 1967 komponiertem Orchesterstück "Lontano"
Kubricks psychologisch fein ziselierter Adaption von Stephen Kings Gruselroman
"Shining" Atmosphäre. Und auch in seinem letzten cineastischen
Opus "Eyes Wide Shut", das Arthur Schnitzlers Traumnovelle in das
New York des ausgehenden 20. Jahrhundert verlegte, bediente sich Kubrick 1999
mit dem zweiten Satz aus dem Klavierzyklus "Musica ricercata" (1951-1953)
der Musik Ligetis.
Die Orchesterkomposition Lontano aus dem Jahr 1967 ist eines der bekanntesten
Beispiele für eine Kompositionstechnik, die Ligeti einmal mit dem (von
ihm selbst später als "wahnsinnig wichtigtuerisch" bezeichneten)
Ausdruck "Mikropolyphonie" charakterisierte.
Mark Schulze Steinen
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