György Ligeti
(1923-2006)

Lontano (1967)
für großes Orchester


Stanley Kubrick machte den Anfang: 1968 unterlegte der US-amerikanische Regisseur Passagen seines bildmächtigen Films "2001 - Odyssee im Weltraum" Ausschnitte aus Kompositionen des fünf Jahre älteren György Ligeti. Die geheimnisvollen Klangbilder, der der ungarische Komponist in seinen Orchesterwerken "Atmosphères" (1961) und "Aventures" (1962/63), der Chorkomposition "Lux Aeterna" (1966) und dem zwischen 1963 und 1965 entstandenen "Requiem" für Sopran, Mezzosopran, zwei gemischte Chöre und Orchester entworfen hatte, schienen wie dafür gemacht, Kubricks bedrohlich schöne filmische Visionen musikalisch zu unterstreichen. Zwölf Jahre später dann verliehen Auszüge aus Teilen von Ligetis 1967 komponiertem Orchesterstück "Lontano" Kubricks psychologisch fein ziselierter Adaption von Stephen Kings Gruselroman "Shining" Atmosphäre. Und auch in seinem letzten cineastischen Opus "Eyes Wide Shut", das Arthur Schnitzlers Traumnovelle in das New York des ausgehenden 20. Jahrhundert verlegte, bediente sich Kubrick 1999 mit dem zweiten Satz aus dem Klavierzyklus "Musica ricercata" (1951-1953) der Musik Ligetis.
Die Orchesterkomposition Lontano aus dem Jahr 1967 ist eines der bekanntesten Beispiele für eine Kompositionstechnik, die Ligeti einmal mit dem (von ihm selbst später als "wahnsinnig wichtigtuerisch" bezeichneten) Ausdruck "Mikropolyphonie" charakterisierte.

Mark Schulze Steinen
Zeichen 8420

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