György Kurtág
( *1926 )
Stele op. 33
für großes Orchester
In gewisser Weise lässt sich das Gesamtwerk Kurtágs als groß angelegtes "work in progress" charakterisieren. Einzelne Momente oder thematische Gebilde eines älteren Stücks können zum Keim eines neuen werden. Sein gesamtes Schaffen gleicht einer Art Netzwerk, das ganz unterschiedliche Werkkomplexe miteinander verbindet. Es ist daher kein Zufall, dass Kurtág bestimmte Stücke mehrfach komponiert, verschiedene Versionen erstellt und in Konzerten mit seiner Musik häufig die Reihenfolge der Stücke ändert oder sie neu gruppiert. Kaleidoskopartig ergeben sich so immer neue Zusammenhänge, neue Blickwinkel auf das einzelne Werk. Das bedeutet, dass Kurtág große Teile seines Schaffens als "Skizzenmaterial" - im besten Sinne des Wortes - versteht und beständig nach neuen Lösungen bestimmter kompositorischer und klanglicher Probleme sucht. "Stele", Kurtágs erste Komposition für großes Orchester, entstand 1993 für das Berliner Philharmonische Orchester und Claudio Abbado. Der Komponist, damals bereits 67 Jahre alt, lebte zu dieser Zeit als Fellow des Wissenschaftskollegs in Berlin.
Martin Demmler
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