Quintetto per fiati op.2
György Kurtág, der - anders als sein Studienkollege
György Ligeti - nach dem blutig niedergeschlagenen Aufstand von 1956 im
kommunistischen Ungarn blieb, hatte sich zunächst mehr als Pianist, denn
als Komponist einen Namen gemacht. Er studierte in Budapest Komposition bei
Sándor Veress und Ferenc Farkas; ein Auslandsaufenthalt führte ihn
nach Paris zu Olivier Messiaen, Darius Milhaud und Max Deutsch und nach Köln.
Von 1958-1963 war er Professor an der Bartók-Musikfachschule in Budapest,
1967 wurde er Professor für Klavier und Kammermusik an der dortigen Musikhochschule.
1993 verließ er Ungarn, lebt und arbeitet in Berlin, Wien, Amsterdam und
Paris, hier in enger Zusammenarbeit mit dem Ensemble InterContemporain.
Kurtágs frühes Bläserquintett, das er 1959 vollendete, dokumentiert
seine Liebe zur Miniatur, zur knappen Formulierung, zum musikalischen Detail.
Die Komposition muß erst einmal lesend erobert werden: innerhalb eines
differenzierten Rhythmus' korrespondieren kleingliedrige Motive oder bestimmte
Intervalle miteinander, deren Ausdrucksgehalt durch dynamische Kontraste verstärkt
oder unterlaufen wird. Im 5. Satz sehen sich die Instrumentalisten aufgefordert,
mit einem vorgegebenen Material "die Gestaltung komplexerer, während
der Improvisation entstehender formeller Lösungen" (Anweisung in der
Partitur) zu entwickeln.
Die musikalische Struktur diktiert die Spielweise des Instruments, ohne jedoch
dessen typische Klangmöglichkeiten gänzlich zu unterdrücken.
Über Einflüsse Béla Bartóks und Anton Weberns in diesem
Werk mag der aufmerksame Hörer entscheiden.
Christine Mitlehner
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