Gija Kantscheli
(*1935)
Time... and again (1996)
für Violine und Klavier
Wie eine Reihe jüngerer Kammermusikwerke Kantschelis wird auch die 1996 entstandene Komposition "Time... and again" für Violine und Klavier von einer extremen Überdehnung des Metrums beherrscht. Das durchweg bis zum Äußersten verlangsamte Tempo der rund 25minütigen Komposition (in der Mitte des Werkes hat ein einzelner Takt die ungefähre Dauer von 10-12 Sekunden) lässt Formstrukturen mit dem bloßen Ohr nicht mehr nachvollziehen. An die Stelle einer dynamischen Entwicklung tritt daher die Konzentration auf die Reihung von Klangflächen unterschiedlichster Stimmungen und Valeurs. Das Material der einzelnen Passagen bleibt auf wenige Noten beschränkt und bewegt sich innerhalb einer von Dissonanzen und schwebenden Clusterbildungen "gestörten" Tonalität (Wolfgang Rathert).
Mark Schulze Steinen
Zeichen 4630