Suite liturgique (1942)
2005 wäre André Jolivet 100 Jahre geworden.
Das war für die Franzosen Anlass, ihn mit zahlreichen Veranstaltungen in
Konzerthallen und Rundfunksendungen zu ehren. Auch Pierre Boulez erklärte
sich nunmehr bereit, mit dem Studentenorchester des Pariser Konservatoriums
Jolivets "Danses rituelles" aufzuführen. In jungen Jahren hätte
er ein solches Ansinnen empört zurückgewiesen, denn Jolivet passte
nicht in sein ideologisch geprägtes Weltbild - er war mit ihm tief zerstritten.
Dabei suchten Beide alternative Wege oder, wie Jolivet 1933 in völligem
Nonkonformismus ausdrückte, eine "Einstellung, die ich um keinen Preis
aufgeben werde, und die es mir in Zukunft vielleicht erlauben wird, in einer
gleichwohl unabhängigen, aber wie ich hoffe noch perfekteren Form, die
neuen Klangbeziehungen auszudrücken, von deren Existenz ich weiß
und deren Geburt ich erahne".
Die "Suite Liturgique" schrieb Jolivet 1942 während der deutschen
Okkupation Frankreichs als Bühnenmusik zu den "Mystères de
la Visitation", einem Theaterstück in der Tradition mittelalterlicher
Mysterienspiele von Henri Ghéon. Es wurde 1942 beim Salon d'Art Sacré
aufgeführt.
Christine Mitlehner
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