Leoš Janáček
(1854-1928)

Taras Bulba
Rhapsodie für Orchester


Leoš Janáček kam 1854 in Hukvaldy, einem Dorf im nordöstlichen Teil Mährens zur Welt. Der Vater war Dorfschullehrer und Kantor der kleinen Kirche. Aus einem Aufsatz, den Janáček später schrieb, läßt sich erahnen, wie eng und dürftig die Welt seiner Kinderjahre gewesen ist. Dennoch oder gerade deshalb bedeutete Hukvaldy dem Komponisten zeit seines Lebens mehr als ein zufälliger Geburtsort. Das Dorf und die es umgebende Landschaft — die Lachei — bildeten für ihn das Zentrum seines Daseins und einen stetigen Inspirationsquell. Unüberhörbar ist seine enge Bindung an die heimische Folklore.
Alles wurde ihm zu Musik. In dem Aufsatz „Wozu ich mich bekenne“ schrieb Janáček: „Auch ich suchte Quellwasser mit der Wünschelrute; aber merkwürdig, wo immer ich stand, wohin ich geriet, an Fels oder Sumpf: überall schlug die Rute aus! Wenigstens ein Tröpfchen haftete dort, wo sie hinwies. Auch in der Dürre fand ich Erfrischung. Im Telefonhörer, im Aktenstaub hundertjähriger Aufzeichnungen; in der Flagge, die in rasendem Wirbel über der Burg flattert: Ja, überall hörte ich Musik in Motiven banger Tränen, stechender Rachsucht, tobenden Zornes, tiefen Haders.“

Walter Rösler
Zeichen 6033
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