Glagolitische Messe
für Soloquartett, gemischten Chor und Orchester
Glagolitisch - Sprache oder Schrift?
Landläufig ist der Begriff "glagolitisch"
nur im Zusammenhang mit der "Glagolitischen Messe" von Leo Janáček
bekannt. Janáček hat ganz bewusst auf diese altslawische Sprache zurückgegriffen.
Um den Text dieses Werkes sprachlich einordnen zu können, sind folgende
Fragen zu klären:
1. Bezieht sich der Begriff "glagolitisch" auf eine Sprache oder eine
Schrift?
2. Wenn "glagolitisch" eine Schrift ist, muss geklärt werden,
welche Sprache mit dieser Schrift geschrieben wird.
3. Wie und wann ist diese Schriftsprache entstanden?
Im Jahre 863, zur Zeit des Großmährischen Reichs, bat der mährische
Fürst Rastislav den byzantinischen Kaiser Michael III., ihm Lehrer und
Geistliche zu schicken, die das Evangelium in Landessprache, also in slawischer
Sprache verkünden können.
Der byzantinische Kaiser wählte zwei Brüder aus Thessaloniki aus,
Kyrill und Method. Die Brüder entstammten einer angesehenen griechischen
Familie. Sie beherrschten neben ihrer Muttersprache Griechisch auch das slawische
Idiom, das in der Umgebung Thessalonikis gesprochen wurde. Zu jener Zeit unterschieden
sich die slawischen Sprachen noch nicht so sehr, weshalb man sich noch im gesamten
slawischen Sprachraum ohne Dolmetscher verständigen konnte. Allerdings
gab es für keine der slawischen Sprachen eine Schrift.
Matthias Wilke
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