Leoš Janáček
(1854-1928)

Glagolitische Messe
für Soloquartett, gemischten Chor und Orchester


Glagolitisch - Sprache oder Schrift?

Landläufig ist der Begriff "glagolitisch" nur im Zusammenhang mit der "Glagolitischen Messe" von Leoš Janáček bekannt. Janáček hat ganz bewusst auf diese altslawische Sprache zurückgegriffen. Um den Text dieses Werkes sprachlich einordnen zu können, sind folgende Fragen zu klären:
1. Bezieht sich der Begriff "glagolitisch" auf eine Sprache oder eine Schrift?
2. Wenn "glagolitisch" eine Schrift ist, muss geklärt werden, welche Sprache mit dieser Schrift geschrieben wird.
3. Wie und wann ist diese Schriftsprache entstanden?
Im Jahre 863, zur Zeit des Großmährischen Reichs, bat der mährische Fürst Rastislav den byzantinischen Kaiser Michael III., ihm Lehrer und Geistliche zu schicken, die das Evangelium in Landessprache, also in slawischer Sprache verkünden können.
Der byzantinische Kaiser wählte zwei Brüder aus Thessaloniki aus, Kyrill und Method. Die Brüder entstammten einer angesehenen griechischen Familie. Sie beherrschten neben ihrer Muttersprache Griechisch auch das slawische Idiom, das in der Umgebung Thessalonikis gesprochen wurde. Zu jener Zeit unterschieden sich die slawischen Sprachen noch nicht so sehr, weshalb man sich noch im gesamten slawischen Sprachraum ohne Dolmetscher verständigen konnte. Allerdings gab es für keine der slawischen Sprachen eine Schrift.

Matthias Wilke
Zeichen 6417

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