Charles Ives
(1874-1954)

Scherzo für Streichquartett


Ich glaube, daß schon viele amerikanische Komponisten sich bemüht haben, zu möglichst eigenständigen Lösungen zu kommen, doch scheint ganz allgemein die Meinung vorzuherrschen, daß ein Komponist, der nicht den größten Teil seines Lebens an einem europäischen Konservatorium studiert hat, kein Recht (und nicht genügend Sachverständnis) hat, dem Publikum irgendetwas Ungewohntes vorzusetzen - sei es nun gut oder schlecht.
Der dies in seinen "Memos" nach einem feinen üppigen Essen am Erntedanktag - für Mamma, Red, Mac! Edeeth! am 28. Nov. 1931 schrieb war eine der entdeckungsfreudigsten, experimentellsten, musikantischsten und vorurteilsfreiesten Musiker- und Künstlerpersönlichkeiten der USA zu Beginn unseres Jahrhunderts - Charles Edward Ives.
Ives kämpfte mit Tönen und Worten gegen die zeitgenössische amerikanische Musikszene, die er bevölkert sah mit Rollos (Hauptfigur didaktischer Jugendbücher des Religionslehrers Abbot - für Ives das Symbol für Engstirnig- und Phantasielosigkeit)
, feinen Damen und alten Jungfern (die auch Männer sein können), musikalischen Weichlingen und Schlappohren in den Direktorien der Opern- und Konzertgesellschaften. Er kämpfte gegen die Feinde der Musik, die nur den Damen gefallen und an ihr Geld herankommen wollen und beklagte, daß das amerikanische Ohr weitgehend zu einer Weichteil-AG (mbH) geworden sei. Dies sei den Geschäftsmonopolisten wie jenen Dauerwellen- Dirigenten, Pianisten, Geigern und Sängern zu verdanken, deren geschäftstüchtiger Gefühlsausdruck viel lauter aus ihren Gesichtern als aus ihrer Musik spräche.

Christine Mitlehner
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