Jacques Ibert
(1890-1962)
Trois pièces brèves
für Bläserquintett (1930)
Die deutsche Musikgeschichtsschreibung mit ihren Urteilen ist auch eine Fortschreibung
von Vorurteilen. Der deutsche Geist mißtraut dem benachbarten französischen
Esprit, die deutsche Seele erstarrt vor der Pariser Frivolität, deutsche
Gedankenschwere, retrospektiv sich selbst immer wieder neu stabilisierend, kann
vor lauter Tiefsinn Leichtsinn nicht ertragen.
Und dann ist es wieder da, das Wort Divertissement, das Zerstreuung, Unterhaltung
meint und in der Musik die kleinen Formen, die Piècen in bunter Reihenfolge,
die Programmstücke und Tänze, die "petits riens", bezeichnet
- verbunden mit der angestrengten Frage, inwieweit solche Werke überhaupt
ernst zu nehmen seien.
Die Antwort kann nur heißen: nicht ernst, eher heiter...
Christine Mitlehner
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