Gustav Holst
(1874-1934)

Die Planeten
Suite für großes Orchester op. 32

Colin Matthews (*1946)
Pluto, der Erneuerer (2000)


Es gibt eine ganze Reihe von Komponisten, derer sich die Nachwelt vor allem aufgrund eines einzigen Werkes erinnert. Zu ihnen gehört der Engländer Gustav Holst. Sein symphonischer Zyklus Die Planeten ist von populären Konzert- und Radioprogrammen nicht mehr wegzudenken, und auch die Tonträgerindustrie hat den Namen des Komponisten mit zahlreichen Einspielungen dieses Werkes unsterblich gemacht. Der nachhaltige Erfolg der Planeten scheint das Interesse an der Person Holsts, geschweige denn einer Auseinandersetzung mit seinen anderen Kompositionen indes noch nicht geweckt zu haben: Bis heute gibt es keine deutschsprachige Monographie des Komponisten. Selbst in seiner Heimat hat sich - abgesehen von Holsts 1984 verstorbener Tochter Imogen - erst ein Autor mit einer kritischen Bio-graphie des Komponisten hervorgetan.
Obwohl er nie als Vertreter der Avantgarde galt, zeigte Holst Zeit seines Lebens großes Interesse an den massgebenden kompositorischen Strömungen der Jahrhundertwende: Die Londoner Gastspiele der Ballets russes, die das englische Publikum mit den Kompositionen eines Strawinsky und Debussy bekannt machen, oder die englische Erstaufführung von Schönbergs Fünf Orchesterstücken op. 16 verfolgte er mit regem Interesse. Ohne je zum Adepten eines dieser Komponisten zu werden, hat Holst ihnen viel zu verdanken: Die komplexen rhythmischen Strukturen Strawinskys, die bitonalen Akkordbildungen Debussys und Schönbergs Klangfarbenmelodie haben auch in den Planeten ihre Spuren hinterlassen. Dennoch spricht Holsts Musik ihre ureigene, ungleich verständlichere Sprache. Und um es vorwegzunehmen: Wer sich von den Planeten an Filmmusik erinnert fühlt, ist auf dem Holzweg: Die Musik der Hollywood-Industrie hat vielmehr häufig den von Holst geebneten Weg beschritten!
Vier Jahre vor Holsts Tod wurde ein weiterer Planet unseres Sonnensystems entdeckt: Pluto. Die Aufgabe, Holsts Zyklus um ein symphonisches Portrait dieses Himmelskörpers zu bereichern, fiel 70 Jahre später an den 1946 in London geborenen Komponisten Colin Matthews.

Mark Schulze Steinen
Zeichen 7847 (Holst) / Zeichen 1930 (Matthews)

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