HK Gruber
(*1943)
Frankenstein!! (1976/77)
Ein Pandämonium für Chansonnier und Orchester nach Kinderreimen von
H. C. Artmann
"Grausam gute Laune..."
Ein wahrlich höllisches Vergnügen ist HK Grubers Frankenstein!! nach
"Kinderreimen" des österreichischen Dichters HC Artmann: Hier
geben sich die blaublütigen Blutsauger und wahnsinnigen Wissenschaftler
der klassischen Horrorliteratur, verschiedene "unsterbliche" Leinwand-Bösewichter
und pistolenschwenkende Schürzenjäger, Helden und Unholde der Comic-Welt,
Abzählreim-Monster und Kinderbuch-Scheusale in aberwitzigem Tempo die musikalische
Türklinke in die Hand. Kein Wunder, dass uns der Atem stockt - und bei
genauerem Hinhören auch das Blut in den Adern gefriert. Denn Artmanns schwarz
triefender Humor hat es nicht nur auf unseren guten Geschmack, sondern auch
auf die Unschuld unserer Kinder abgesehen... Doch halt! Dass in Untoten, Vampiren,
kleinen Monstern und Retortenbestien zumindest auch ein zart fühlendes
musikalisches Herz schlägt, darüber lassen Frankensteins verführerisch
wiegender Tango, die elegische Kantilene von Cello und geblasenem Kamm im Rattenlied
oder die "zigeunerisch" zu spielende Violinkadenz des Herrn Frankenstein
keinen Zweifel...
Angeführt wird dieses "Pandämonium" von einem singenden,
flüsternden, pfeifenden, keifenden und kreischenden Hexenmeister, der uns
mit seiner Freude an der stimmlichen Verwandlung das Fürchten lehrt. Doch
auch die Musiker des Orchesters haben ihren Spass an diesem musikalischen Gruselkabinett:
Denn wann sonst darf der Pauker aufgeblasene Papiertüten platzen lassen,
der Hornist in eine Spielzeugtrompete blasen, der Flötist mit seinen Kollegen
Plastikrohre zum Singen bringen, die Schlagzeuggruppe im dreistimmigen Falsett
knödeln oder die Harfenistin ihr zart besaitetes Instrument gegen eine
lärmende Autohupe (Modell "aus der Zeit um 1910") eintauschen?
Und das alles in der unschuldigen Absicht, "grausam gute Laune zu verbreiten"
(HK Gruber).
Mark Schulze Steinen
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