Paul Hindemith
(1895-1963)

Sonate für Bratsche und Klavier op. 11, Nr. 4 (1919)


Nicht für sich zu schreiben, sondern für andere: Mit seinen Werken für Bratsche gelang dem praktischen Musiker allerdings beides. Was den Komponisten Hindemith betrifft, geben gerade seine Bratschensonaten einen beispielhaften Einblick in die Stationen seines kompositorischen Schaffens.
Die Bratschensonate op. 11, Nr. 4 vollendete Hindemith 1919 in Frankfurt , wo er sie am 2. Juni in einem Frankfurter Kompositionsabend mit Emma Lübbecke-Job am Klavier uraufführte.
Die Sonate spiegelt die musikalische Aufbruchstimmung des frühen 20. Jahrhunderts und das mit ihr einhergehende schillernde stilistische Spektrum der Epoche wider. Ihre einleitende Fantasie weckt die Vorstellung eines Klang-Vorhangs, gewoben aus einem romantisch sich gebenden Thema und einer deutlichen Wagnerschen Harmoniewendung, der allmählich mit Hilfe impressionistischer Klänge à la Debussy durchlässig wird und die Bühne für das später auftretende Hauptthema und sein Verwandlungsspiel frei gibt. Zwar Sonate genannt (und wer möchte, kann sich die Freude machen, die Komposition wegen der motivisch-thematischen Arbeit auf das Formprinzip hin zu orientieren), stellt sich das Stück als Variationenwerk dar.

Christine Mitlehner
Zeichen 7332

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