Theme and Four Variations (1940)
(The Four Temperaments)
Hindemiths "Theme and Four Variations" entstand
1940 in den USA. Hierher war er zwei Jahre nach seiner Übersiedelung in
die Schweiz (1938) emigriert, da er in Deutschland wegen seiner Kompositionen
und seiner jüdischen Frau zunehmend unter Druck geriet. Die konzertante
Uraufführung der effektvollen Musik fand am 3. September 1940 in Boston
mit dem Pianisten Lukas Foss unter der musikalischen Leitung von Richard Burgin
statt. Doch eigentlich war das Werk als Ballett gedacht - vielleicht auf Anregung
von Léonide Massine. Am 1. November 1940 schloss Hindemith die Ballettmusik
ab und notierte in sein Werkverzeichnis "geschrieben für Balanchine
in New York", der die Uraufführung im Rahmen von Veranstaltungen der
New Yorker Ballet Society am 20. November 1946 choreographierte. Im Oktober
1948 übernahm das New York City Ballet die "Vier Temperamente"
in sein Repertoire. Seitdem führt das Werk ein Zwitterdasein als Konzertstück
und als Ballett.
In der Antike wurden die vier Temperamente des Menschen auf die dominierenden
Körpersäfte Blut ("sanguinisches Temperament"), Schleim
("phlegmatisches Temperament "), gelbe Galle ("cholerisches Temperament")
und schwarze Galle ("melancholisches Temperament") zurückgeführt.
Die griechischen Ärzte Hippokrates und Galenos entwickelten aus dieser
Vier-Säfte-Lehre und gleichzeitiger Einbeziehung der vier Elemente Luft/Blut
- Schleim/Wasser - schwarze Galle/Erde - gelbe Galle/Feuer ein darauf aufbauendes
Therapiesystem, die sog. Humoralmedizin.
Einen Sanguiniker, Choleriker, Melancholiker und Phlegmatiker auf der Bühne
darzustellen, scheint ein gefundenes Fressen für Choreographen und Tänzer.
Doch sie stoßen auf einen gewitzten Meister seines Fachs, dessen Beobachtung
und Bewertung dieser Charaktere in eine vielschichtige und hintergründig
humorvolle musikalische Welt führt. Schon Hindemiths Thema ist nicht eindimensional,
sondern hat drei charakteristische Seiten...
Christine Mitlehner
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