Quartett
für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier (1938)
Die Stellung Hindemiths im 20. Jahrhundert schlüssig
zu werten, fällt schwer: der Expressionismus seiner frühen (Opern)Kompositionen
wich einer kühleren linear-polyphonen Schreibweise, die seine innere Umkehr
zu deutscher musikalischer Tradition, musikalisiert in Bach und Schütz
dokumentiert. In seiner "Unterweisung im Tonsatz" (1937) setzt er
sich deutlich von Atonalität und Zwölftonmusik ab, mit seinem Begriff
der "Reihe" exemplifiziert er die Gültigkeit der Tonalität
für alle Musik. Nach diesem Lehrbuch unterwarf er seine eigenen Werke einer
kritischen Durchsicht und Korrektur! Er war praktizierender (Bratscher) und
schöpferischer Musiker, Bilderstürmer und Traditionalist, Antiromantiker
und Mystiker, Theoretiker und unermüdlicher Pädagoge, der die Musik
als moralisch-geistige Disziplin auffaßte und im gemeinsamen Musizieren
eine soziale Aufgabe erblickte.
Christine Mitlehner
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