Hans Werner Henze
(*1926)

Sinfonie Nr. 7


Hans Werner Henze, in den Zentren der Moderne der Nachkriegszeit Darmstadt und Donaueschingen, als Verräter der Avantgarde diffamiert, konnte mit den Vorstellungen einer abstrakten, rein auf sich selbst bezogenen Musik nichts anfangen: "Dass ich in meiner Arbeit strenge Dodekaphonie oder gar die Serialität vermied, liegt daran, dass mich diese Methoden schon aus dem Grund nicht interessiert haben, weil sie mir so ›pur‹ vorkamen und weil mir schien, dass ich nichts ›sagen‹ konnte innerhalb dieser Regeln. Mich interessiert Musik, um Stimmungen, Atmosphäre, Zustände wiederzugeben. Ich will keine absolut zugeschnürten Musikpakete." Auch als er sich in den späten sechziger Jahren einer stark politisierten Musik widmete, stieß dies auf wenig Gegenliebe. Die geplatzte Uraufführung seines Oratoriums "Das Floß der Medusa" 1968 in Hamburg geriet zu einem der spektakulärsten Skandale der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. Doch Henze ließ sich durch diese Anfeindungen nicht von seinem kompositorischen Weg abbringen. Insbesondere seit den achtziger Jahren nimmt die Beschäftigung mit traditionellen Formen und Gattungen eine zentrale Rolle in seinem Schaffen ein. Das gilt vor allem für die Sinfonie.
Die 7. Sinfonie entstand als Auftrag des Berliner Philharmonischen Orchesters zu dessen 100jährigem Bestehen. Diese Sinfonie offenbart Henzes Auseinandersetzung mit der Tradition in besonders drastischer Weise.

Martin Demmler
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