Georg Friedrich Händel
(1685-1759)
Der Messias HWV 56
Oratorium nach Worten der Bibel für Soli, Chor und Orchester
(Textzusammenstellung von Charles Jennens - deutsche Übertragung von Johann
Gottfried Herder)
komponiert August-September 1741, uraufgeführt am 13. April 1742 in Dublin
Groß, gewaltig, erhaben - Händels Nachwirken in Deutschland
Wer am Allerheiligsten rührt, muss gute Gründe
dafür haben. Was die Menschen seit Jahrhunderten bis heute in ihrem Innersten
berührt, ihre Religion, ist gerade deshalb nur selten zum Stoff für
Romane oder Dramen geworden. Zu groß schien die Verantwortung, in einer
Lebensgeschichte Christi religiös überhöhte Inhalte mit eigenen
Worten zu fassen, ohne dabei den Protagonisten zu einer bloßen Romanfigur
herabzuwürdigen. "Darf aus dunkler Ferne sich auch dir nahen die Dichtkunst?"
fragte Friedrich Gottlieb Klopstock am Beginn seines Versepos "Der Messias".
In diesem Fall durfte sie, jedenfalls wenn man den überwältigenden
Erfolg von Klopstocks Dichtung als Gradmesser nimmt. Bezeichnend ist aber, dass
angesichts der Scheu vor der Größe des Stoffes die Musik als Schwesterkunst
herbeigerufen wird. "Sing" lautet nicht umsonst das erste Wort des
"Messias"-Epos, die Aufforderung also, dem Erhabenen des Sujets durch
die Erhöhung im rational nicht fassbaren Gesang gerecht zu werden, "Sing,
unsterbliche Seele, der sündigen Menschen Erlösung".
Die Musik, die den christlichen Kultus schon seit vielen Jahrhunderten dienend
begleitet hatte, war in der Tat geeignet, den dichterischen Christus-Darstellungen
das Rückgrat zu stärken. Sieben Jahre bevor Klopstock mit seiner "Messias"-Dichtung
begann, hatte Georg Friedrich Händel sein Oratorium "Messiah"
in Dublin uraufgeführt und damit ein Werk geschaffen, das wie kaum ein
anderes die Gattung des Oratoriums - der geistlichen Handlung in Chören
und Arien, die allerdings nicht szenisch dargestellt wurde - geprägt hat.