Sofia Gubaidulina
(* 1931)

Sieben Worte
für Violoncello, Bajan und Streicher


"Mit Ehrfurcht und Respekt vor der großen geistig-kulturellen Tradition habe ich mich hier einem Thema zugewandt, das früher bereits Heinrich Schütz und Joseph Haydn angeregt hatten: Die sieben letzten Worte Jesu Christi am Kreuz, wie sie in den verschiedenen Evangelien zu finden sind.
Natürlich kann ein Werk, das rein instrumental erdacht ist, nicht die Aufgabe haben, den Evangelientext zu illustrieren. Hier geht es vielmehr um rein klangliche und instrumentale metaphorische Gesten. Und in dieser Hinsicht gaben mir die beiden Soloinstrumente Violoncello und Bajan, aber auch das Streichorchester reichhaltiges Material an die Hand. Ich denke zum Beispiel an den langgezogenen Ton im Violoncello, der durch den Glissandoklang der benachbarten Saite gekreuzt ("gekreuzigt") wird. Beim Bajan geschieht dieses Kreuzen mit Hilfe besonderen Drucks auf die benachbarte Taste. Im Streichorchester gibt es die Möglichkeit des Glissando-Übergangs vom Unisono zur Mehroktavigkeit und wieder zurück zum Unisono (= Kreuzfigur). Wenn der Cellobogen hinter den Steg wandert, ist dies wie der Eintritt in eine andere Sphäre.
Diese instrumentalen Metaphern bilden die thematische Grundlage des Werkes, die sich im Verlauf von sechs Sätzen bei unaufhörlicher Zunahme der Spannung entfaltet." (Sofia Gubaidulina)

Christine Mitlehner
Zeichen 6386

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