Sieben Worte
für Violoncello, Bajan und Streicher
"Mit Ehrfurcht und Respekt vor der großen
geistig-kulturellen Tradition habe ich mich hier einem Thema zugewandt, das
früher bereits Heinrich Schütz und Joseph Haydn angeregt hatten: Die
sieben letzten Worte Jesu Christi am Kreuz, wie sie in den verschiedenen Evangelien
zu finden sind.
Natürlich kann ein Werk, das rein instrumental erdacht ist, nicht die Aufgabe
haben, den Evangelientext zu illustrieren. Hier geht es vielmehr um rein klangliche
und instrumentale metaphorische Gesten. Und in dieser Hinsicht gaben mir die
beiden Soloinstrumente Violoncello und Bajan, aber auch das Streichorchester
reichhaltiges Material an die Hand. Ich denke zum Beispiel an den langgezogenen
Ton im Violoncello, der durch den Glissandoklang der benachbarten Saite gekreuzt
("gekreuzigt") wird. Beim Bajan geschieht dieses Kreuzen mit Hilfe
besonderen Drucks auf die benachbarte Taste. Im Streichorchester gibt es die
Möglichkeit des Glissando-Übergangs vom Unisono zur Mehroktavigkeit
und wieder zurück zum Unisono (= Kreuzfigur). Wenn der Cellobogen hinter
den Steg wandert, ist dies wie der Eintritt in eine andere Sphäre.
Diese instrumentalen Metaphern bilden die thematische Grundlage des Werkes,
die sich im Verlauf von sechs Sätzen bei unaufhörlicher Zunahme der
Spannung entfaltet." (Sofia Gubaidulina)
Christine Mitlehner
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