Manuel de Falla
(1876-1946)
Der Dreispitz
2. Suite 1925
"Engstirniger Nationalismus"
sei eines der Dinge, die ihn in der Musik am meisten abstossen, soll Manuel
de Falla einmal gesagt haben. Ähnlich wie Albéniz suchte de Falla,
der wie dieser bei Felipe Pedrell studiert hatte, in der traditionellen Musik
Spaniens keine pittoreske Zutat zu seinen Kompositionen, sondern ein Mittel,
um einer "Abnutzung" der traditionellen Dur-Moll-Tonalität entgegenzuwirken.
Interessanter Weise wurde de Falla, der ebenfalls lange Jahre in Paris lebte,
durch einen französischen Musiktheoretiker darauf aufmerksam gemacht, dass
die modalen Leitern und die nicht-funktionale Harmonik der spanischen Folklore
eine Bereicherung des gängigen Vokabulars der mitteleuropäischen Kunstmusik
darstellen könnten. Der Versuch, im Rekurs auf die Foklore Spaniens einen
von oberflächlichen "Hispanismen" freien Stil zu entwickeln,
ist in ihrer Vorgehensweise wiederum mit der Albéniz' vergleichbar:
Ich bin ein Gegner jeder Musik, die sich der authentischen folkloristischen
Vorlagen als Grundlage bedient; ich glaube im Gegenteil, dass man, von den natürlichen
Quellen ausgehend, die Klangfülle, den Rhythmus, die Essenz zwar verwenden
soll, aber nicht wegen ihres äusserlichen Wertes.
Nachdem de Falla nach Abschluss seiner Studien bei Pedrell zunächst mit
der Komposition von Zarzuelas in Spanien auf sich aufmerksam gemacht hatte,
ermöglichten ihm 1905 zwei Wettbewerbspreise den lang gehegten Wunsch,
nach Paris überzusiedeln, wo er die Freundschaft und Unterstützung
von Debussy, Dukas und Ravel gewann. Der rege Austausch mit diesen Musikern
und das kosmopolitische Klima der Musikstadt Paris förderten de Fallas
musikalische Entwicklung und machten ihn "zum europäischsten unter
den spanischen und zum spanischsten unter den europäischen" Komponisten
(Gerth-Wolfgang Baruch).
Mark Schulze Steinen
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