Konzert für Violoncello und Orchester e-Moll op. 85
Pomp and Circumstance - Begriff und Musik sind
vielen Menschen geläufig. Bei der Frage nach dem Komponisten tun sich allerdings
Lücken auf. Es ist der Engländer Edward Elgar, dessen zwischen 1901
und 1930 entstandene Suite von Orchestermärschen Pomp and Circumstance
op. 39 ihm zu Unrecht den etwas zweifelhaften Ruf eines musikalischen Jubelpatrioten
brachte. Als der mittlerweile als Grandseigneur der britischen Musik hoch geehrte
Elgar 1934 verstarb, hatten jüngere Musiker seine Musik bereits einer feindseligen
Kritik unterzogen; sie rieche vor dem Hintergrund des "edwardianischen
Wohlstands" nach "Spießigkeit" und "selbstherrlichem
Wohlwollen."
Tatsächlich war Elgars musikalische Welt die der Jahrhundertwende. An die
kompositorischen Bewegungen der 1920er Jahre konnte oder wollte er nicht anknüpfen,
und es ist bezeichnend für Elgars künstlerisches Selbstverständnis,
dass er ab 1920 kaum noch komponierte.Trotzdem scheint es ungerecht, dem Menschen
und Komponisten Elgar Selbstgefälligkeit vorzuwerfen. Sein 1919 entstandenes
Konzert für Violoncello und Orchester op. 85 ist rein kompositionstechnisch
zwar mühelos als Abgesang auf die unwiderruflich zu Ende gegangene musikalische
Epoche der Spätromantik deuten, zu deren letzten Repräsentanten sich
Elgar zweifellos zählte. Unter der Oberfläche eines gemäßigt
modernen musikalischen Materials liegen indes Zwischentöne verborgen, die
weniger von künstlerischer Resignation erzählen als von Trauer und
Ratlosigkeit angesichts der politischen Erschütterungen des vergangenen
Jahrzehnts.
Mark Schulze Steinen
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