Edward Elgar
(1857-1934)

Konzert für Violoncello und Orchester e-Moll op. 85


Pomp and Circumstance - Begriff und Musik sind vielen Menschen geläufig. Bei der Frage nach dem Komponisten tun sich allerdings Lücken auf. Es ist der Engländer Edward Elgar, dessen zwischen 1901 und 1930 entstandene Suite von Orchestermärschen Pomp and Circumstance op. 39 ihm zu Unrecht den etwas zweifelhaften Ruf eines musikalischen Jubelpatrioten brachte. Als der mittlerweile als Grandseigneur der britischen Musik hoch geehrte Elgar 1934 verstarb, hatten jüngere Musiker seine Musik bereits einer feindseligen Kritik unterzogen; sie rieche vor dem Hintergrund des "edwardianischen Wohlstands" nach "Spießigkeit" und "selbstherrlichem Wohlwollen."
Tatsächlich war Elgars musikalische Welt die der Jahrhundertwende. An die kompositorischen Bewegungen der 1920er Jahre konnte oder wollte er nicht anknüpfen, und es ist bezeichnend für Elgars künstlerisches Selbstverständnis, dass er ab 1920 kaum noch komponierte.Trotzdem scheint es ungerecht, dem Menschen und Komponisten Elgar Selbstgefälligkeit vorzuwerfen. Sein 1919 entstandenes Konzert für Violoncello und Orchester op. 85 ist rein kompositionstechnisch zwar mühelos als Abgesang auf die unwiderruflich zu Ende gegangene musikalische Epoche der Spätromantik deuten, zu deren letzten Repräsentanten sich Elgar zweifellos zählte. Unter der Oberfläche eines gemäßigt modernen musikalischen Materials liegen indes Zwischentöne verborgen, die weniger von künstlerischer Resignation erzählen als von Trauer und Ratlosigkeit angesichts der politischen Erschütterungen des vergangenen Jahrzehnts.

Mark Schulze Steinen
Zeichen 4866

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