Eislers Suite Nr. 6 für Orchester op. 40
basiert auf seiner Musik zu dem Film Le grand jeu des französischen
Regisseurs Jaques Feyder, der zwei Jahre später in Paris gedreht wurde.
Wie schon im Falle der ebenfalls separat veröffentlichten Musik zu Dans
les rues zeugt die Suite Nr. 6 von Eislers Bemühungen, eine
Brücke zwischen einer 'Gebrauchsmusik' und einer von dem ursprünglichen
Medium losgelösten Komposition für den Konzertsaal zu schlagen, wobei
Eisler das Schlußstück des Films, eine Marche funèbre,
in der konzertanten Fassung unterschlägt.
Die Trennung vom filmischen Medium bedingt allerdings, daß ein wesentliches
kompositorisches Prinzip des Filmkomponisten Eisler verloren geht: Jenes des
dramaturgischen Kontrapunkts (Eisler/Adorno), welches vorsieht, daß dem
visuellen Moment durch die Musik kommentierend entgegengearbeitet wird. So entbehrt
beispielsweise das bedrohende Moll (Klemm) des letzten Satzes von Eislers Suite
Nr. 6 seiner Bedeutung, wenn es nicht in Verbindung mit der Kneipenszene des
Films gehört wird. Die ursprünglichen Satzüberschriften Eislers
( Quartier réservé - Ville endormie - Jardins au Pacha - Cantine)
garantieren daher im Rahmen einer konzertanten Aufführung der Kompostion
nur eine bedingte Sinnstiftung. Die stilistische Gratwanderung zwischen swingenden
Tanzrhythmen und kontrapunktischen Satztechniken und nicht zuletzt das wunderbar
ordinäre sordinierte Blech der als erweiterte Jazzcombo angelegten Besetzung
lassen auf Grund ihres Unterhaltungswertes solche Einwände im Konzertsaal
allerdings in den Hintergrund treten.
Mark Schulze Steinen
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