Capriccio op. 2
für Orchester
"Unverwirrbar vertraue ich der Musikalität,
der Liebe zum gestalteten Klang meiner Zuhörer." (Gottfried von Einem
1992)
Sein Vertrauen in die Zuhörer hat Gottfried von Einem immer wieder betont
und dabei versichert, dass er publikumsfreundlich zu schreiben versuche: "Ich
spreche eine Sprache, von der ich glaube, daß sie der Hörer des zwanzigsten
Jahrhunderts verstehen kann."
Von Einem, 1918 als Sohn eines österreichischen Militär-Attachés
geboren, kam schon mit zehn Jahren nach Deutschland, mit zwanzig wurde er Korrepetitor
an der Berliner Staatsoper. Neben dieser musikpraktischen Erfahrung begann 1941
der Unterricht bei Boris Blacher, einem der wenigen in Deutschland gebliebenen
fortschrittlich denkenden Musiker, die die Gratwanderung zwischen Selbstverleugnung
und Gestapo-Haft bewältigt hatten.
Blacher in einem Interview: "Einem kam zu mir 1941 als völliger Anfänger
und hatte in zwei Jahren das kompositorische Rüstzeug erlernt." Am
Ende dieser zweijährigen Lehrzeit entstand das Capriccio op. 2, das am
11. März 1943 von den Berliner Philharmonikern uraufgeführt wurde.
Capriccio bedeutet "Laune" oder "launiger Einfall", also
etwas Nebensächliches, das nicht allzu ernst genommen werden will. Dass
ein solches Stück wenige Wochen nach der Kapitulation von Stalingrad und
der Hinrichtung der Geschwister Scholl aufs Konzertprogramm gesetzt wurde, zeigt,
dass die Mechanismen von Propaganda und Verdrängung funktionierten.
Tilman Schlömp
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