Gottfried von Einem
(1918 - 1996)

Capriccio op. 2
für Orchester


"Unverwirrbar vertraue ich der Musikalität, der Liebe zum gestalteten Klang meiner Zuhörer." (Gottfried von Einem 1992)
Sein Vertrauen in die Zuhörer hat Gottfried von Einem immer wieder betont und dabei versichert, dass er publikumsfreundlich zu schreiben versuche: "Ich spreche eine Sprache, von der ich glaube, daß sie der Hörer des zwanzigsten Jahrhunderts verstehen kann."
Von Einem, 1918 als Sohn eines österreichischen Militär-Attachés geboren, kam schon mit zehn Jahren nach Deutschland, mit zwanzig wurde er Korrepetitor an der Berliner Staatsoper. Neben dieser musikpraktischen Erfahrung begann 1941 der Unterricht bei Boris Blacher, einem der wenigen in Deutschland gebliebenen fortschrittlich denkenden Musiker, die die Gratwanderung zwischen Selbstverleugnung und Gestapo-Haft bewältigt hatten.
Blacher in einem Interview: "Einem kam zu mir 1941 als völliger Anfänger und hatte in zwei Jahren das kompositorische Rüstzeug erlernt." Am Ende dieser zweijährigen Lehrzeit entstand das Capriccio op. 2, das am 11. März 1943 von den Berliner Philharmonikern uraufgeführt wurde.
Capriccio bedeutet "Laune" oder "launiger Einfall", also etwas Nebensächliches, das nicht allzu ernst genommen werden will. Dass ein solches Stück wenige Wochen nach der Kapitulation von Stalingrad und der Hinrichtung der Geschwister Scholl aufs Konzertprogramm gesetzt wurde, zeigt, dass die Mechanismen von Propaganda und Verdrängung funktionierten.

Tilman Schlömp
Zeichen 5409

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