Die Waldtaube
Sinfonische Dichtung für großes Orchester op. 110
Nach der Ballade von K. J. Erben
Dvorák schrieb seine Symphonischen Dichtungen
wie "Der Wassermann", "Die Mittagshexe", "Das goldene
Spinnrad", "Die Waldtaube" und das "Heldenlied" erst
1896 / 1897, da wurde er 55 Jahre alt. Zu der Zeit lebte er bereits von seinem
internationalen Bekanntheitsgrad und seinem umfangreichen uvre, dem er
neben der Wiederaufnahme und Bearbeitung früherer Stücke und einem
Festlied zu Ehren des 70. Geburtstags von Dr. Josef Tragy (nur) noch drei Opern
hinzufügen sollte: "Die Teufelskäthe", "Rusalka"
und "Armida". Da Dvorák Kompositionen in den klassisch-romantischen
Genres wie Sinfonie, Streichquartett, Trio, Instrumentalkonzert etc. schrieb,
galt er seinen Zeitgenossen als Antipode zu den Programmusikern, als "großer
Schöpfer auf dem Gebiet der absoluten Musik" - wie es in einem Nachruf
hieß. Gleichzeitig war das Klischee des naiv und spontan schaffenden "Vollblutmusiker",
des "böhmischen Musikanten" schon so verfestigt, daß sich
alle Welt wunderte, als er sich mit seinen Symphonischen Dichtungen ins Lager
"der reflectierenden Programm-Componisten" begab. Diese "Novität"
stellte die Musikkritiker vor ein Schubladenproblem, das sie auf eine einfache
Weise lösten: sie begründeten ihr Mißfallen an Dvoráks
Programmusik mit deren "gräßlichen", "peinlichen",
"ästhetisch verletzenden" Inhalten. Und so prophezeite das "Musikalische
Wochenblatt", daß dem Komponisten "in deutschen Concertsälen
niemals auf diesem Gebiete (der Programmusik) Lorbeeren erblühen werden,
wenn er sich nicht minder abstoßende Stoffe wählt" - was auch
geschah: das Vergessen nistete sich in das entrüstete Mißfallen ein.
Die "Waldtaube" handelt von einer jungen, Trauer heuchelnden Witwe,
die ihren Mann vergiftet hat, mit einem neuen Mann ein fröhliches Hochzeitsfest
feiert, bald nach der Hochzeit aber durch das Gurren einer Taube auf dem Grab
des Ermordeten in den Wahnsinn getrieben wird und sich umbringt.
Christine Mitlehner
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