Requiem op. 89
Die letzten Dinge sind versteckt hinter einer unbewegten Klangfassade
Dvoráks Beweggründe für eine lange, traurige und doch genauestens konstruierte Totenmesse liegen weitgehend im dunkeln. Ein direkter Anlaß ist nicht bekannt, wenn auch der Komponist mit einer Aufführungsmöglichkeit beim Birminghamer Musikfestival rechnen konnte. Allenfalls der Wunsch, den künstlerischen Horizont zu erweitern, könnte den entscheidenden Anstoß gegeben haben - so äußerte Dvorák bei anderen Werken immer wieder die Hoffnung, sich schöpferisch weiter zu entwickeln, "wiederum einen Schritt voran zu kommen". Zum gerade komponierten Cellokonzert schrieb er an Josef Bohuslav Foerster (1895): "ich sage Ihnen aufs bestimmteste, daß dieses Konzert meine beiden Konzerte, das Violinkonzert wie das Klavierkonzert bei weitem übertrifft". Nach dem Erfolg des schon 1876-77 komponierten Stabat Mater in England (1883) und der Messe op. 86 für Chor und Orgel wollte der 48jährige Komponist in der Kirchenmusik noch ein Gipfelwerk schaffen.
Tilman Schlömp
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