Serenade d-Moll op. 44
für 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, Kontrafagott (ad lib.), 3 Hörner,
Violoncello und Kontrabaß
Serenade leitet sich ab vom italienischen Begriff serenata und bedeutet Abendständchen (vorzüglich unter freiem Himmel), dessen heiter-unbefangene(=sereno) Musik den hereindämmernden Abend feiert. Bläsermusiken, im 18. Jahrhundert Harmoniemusiken genannt, bestehen in der Regel aus je zwei Oboen, Klarinetten, Fagotten, Hörnern und einem Kontrabaß, der die tiefen Register zusätzlich verstärkt. Sie erfreuten sich zur damaligen Zeit als gehobene Unterhaltungsmusik großer Beliebtheit. Vielerorts zogen Bläserkapellen mit Potpourris aus Opern, Divertimenti, Tänzen und populären Melodien durch die Straßen, oft begleitet von einer fröhlichen Zuhörerschaft. Eine Serenade konnte sich aber auch als Geburtstags- oder Jubiläumsständchen, als Gebrauchsmusik zur Tafel oder zu Feierlichkeiten aller Arten präsentieren. Antonín Dvorák hat zwei Serenaden geschrieben: eine Streicherserenade (1875) und die Bläserserenade (1878), die in ihrer Besetzung, aber auch in ihrer Satzfolge an klassische Muster des 18. Jahrhunderts anknüpft: Ein Marsch und ein lebhafter Finalsatz umrahmen ein Menuett und einen langsamen Satz. Was den besonderen Charme dieses Werks ausmacht, ist sein nationales Kolorit mit deutlichen Anklängen an tschechische Tanztypen. Alle Instrumente können sich von ihren typischen wie klangschönsten Seiten zeigen. Mit Humor bezieht Dvorák auch den räumlichen Effekt einer wandernden Bläserkapelle in seine Komposition mit ein.
Christine Mitlehner
Zeichen 2906