Ernst von Dohnányi
(1877-1960)

Serenade
für Violine, Viola und Violoncello op. 10


Ernst von Dohnányi, in Poszónyi (Preßburg/Bratislava, Slowakei) geboren und 82jährig in New York gestorben, war "daran gewöhnt", daß Menschen überrascht reagierten, ihn "noch lebend" vorzufinden, wie er 1956 einem Journalisten in Edinburgh amüsiert anvertraute. Das mag einmal mit seiner Biographie zu tun haben, studierte er doch noch im 19. Jahrhundert an der Budapester Musikakademie bei Stephan Thomán (Klavier) und Hans Koessler (Komposition) und feierte als Pianist bereits Erfolge in Europa und den USA. Fest im ungarischen Musikleben verankert, war er von 1916 bis 1944, als er Europa in Richtung Amerika verließ, in Budapest in leitenden Positionen tätig: sei es als Professor für Klavier und Komposition oder als Rektor an der Musikhochschule, als Chefdirigent der Budapester Philharmoniker oder als Musikdirektor des Ungarischen Rundfunks, ausgezeichnet mit der Corvinus-Kette, der höchsten kulturellen Auszeichnung Ungarns - ein Künstlerleben zwischen Habsburger Monarchie und "Neuer Welt".
Dohnányi war 25 Jahre alt, als er seine Serenade für Streichtrio schrieb. Er knüpft in ihrer Satzfolge an formale klassische Muster der Divertimentiliteratur des 18. Jahrhunderts an: Ein Marsch und ein lebhafter Finalsatz (Rondo), der am Schluß das Marschthema des Kopfsatzes wieder aufnimmt, umrahmen einen langsamen Satz (Romanza), einen Variationensatz und ein Scherzo als modernen Stellvertreter des einst üblichen Menuetts. Weniger klassisch und im späten 19. Jahrhundert angesiedelt ist die hochromantische chromatische Harmonik des Werks, das melancholische Schwanken zwischen Dur und Moll, die energetische Intensivierung melodischer Linien durch Leittöne und die Irritierung des Metrums durch Synkopen.

Christine Mitlehner
Zeichen 4163

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