Sonate für Flöte, Viola und Harfe
1915/16 schrieb Debussy in einer Phase ungeheurer schöpferischer
Produktivität innerhalb weniger Monate einen Großteil seines kammermusikalischen
Spätwerks, darunter auch die Sonate für Flöte, Viola und Harfe
"in der alten Form, sehr geschmeidig, ohne die schwülstige Ausdrucksweise
der modernen Sonaten." (Debussy)
Ist aus dem jugendlichen Rebellen ein älterer Wertkonservativer geworden?
Sagen wir so: Alle charakteristischen Merkmale seines Stils, der der französischen
Musik den neuartigen Stempel des "Impressionismus" aufgedrückt
hatte, sind im Trio nach wie vor stilistisch erhalten, jedoch in einer melancholischen
Abgeklärtheit, wie sie nur aufmerksame und konzentrierte kompositorische
Gedankens- und Herzensarbeit hervorbringen kann. Mit den eigenartigen Instrumentalfarben
der Besetzung verlangt sich Debussy eine besondere Subtilität des Klangs
und der Tranzparenz des Satzbildes ab, denn: "Französische Musik -
das heißt Klarheit, Eleganz, einfache und natürliche Deklamation;
die französische Musik will vor allem erfreuen." (in: La Revue bleue,
1904) Und das tut das dreisätzige Werk, das im Dezember 1916 in den Privaträumen
des Verlegers Jacques Durand erstmals erklang - übrigens mit Darius Milhaud
an der Bratsche.
Christine Mitlehner
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