Claude Debussy
(1862-1918)

Trois Nocturnes
für Orchester und Frauenchor (1899)


Als Debussy von Dezember 1897 bis Dezember 1899 die Nocturnes komponierte, hatte er bereits eine Vielzahl von Liedern (darunter die Ariettes oubliées, die Fêtes galantes, die Chansons de Bilitis), Klavierwerke wie die Suite bergamasque, Kammermusik und Orchesterwerke wie Prélude à l'après-midi d'un faune) geschaffen und arbeitete gleichzeitig an seiner Oper Pelléas et Mélisande. Der Plan für "drei Szenen in der Abenddämmerung" reichte jedoch schon zurück in das Jahr 1892; aus den Szenen sollten dann drei Nocturnes für Solovioline und Orchester werden, die Debussy dem belgischen Geiger und Freund Eugène Ysaÿe zudachte. Nach dem Bruch der Freundschaft mit diesem entschloß sich Debussy zu einem Orchesterwerk, dessen beide ersten Sätze 1900 in einem Pariser Lamoureux-Konzert mit großem Erfolg uraufgeführt wurden. Der komplette Zyklus erklang erstmals am 27. Okober 1901, ebenfalls in den Concerts Lamoureux.
Als "musicien français", wie sich Debussy selbst sah, ablehnend dem Wagnerismus gegenüber, verachtend die "amtlichen Formen" der gelehrten Musik und angezogen von Mussorgskis instinktsicherer, von "aller trockenen Methodik freien Kunst", löste er die ihm akademisch sattsam vermittelte Musik aus ihren Verkrustungen: "Ich jedenfalls versuche, diese Musik zu vergessen, weil sie mich die zu hören hindert, die ich noch nicht kenne", läßt er M. Croche sagen.

Christine Mitlehner
Zeichen 7219

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