Ariettes oubliées
In den zwischen 1885 und 1888 entstandenen Ariettes
oubliées auf Texte aus Verlaines 1874 erschienener Gedichtsammlung
Romances sans paroles reicht Debussys Vokalstil von einem leichtfüßigen
Parlando, das größtmögliche Textverständlichkeit garantiert,
über sangliche melodische Phrasen bis zu vereinzelten Aufschwüngen
der Singstimme in die Stratosphären ihres Registers.
Eine erste Aufführung des Liedzyklus', in welcher der Komponist am Klavier
den Tenor Maurice Bagès begleitete, fand in einem Konzert am 2. Februar
1889 statt, wurde von der Presse aber kaum beachtet. Auch eine im selben Jahr
erschienene Druckausgabe als Ariettes blieb vorerst ohne große Resonanz.
Als Debussy 1903 eine leicht überarbeitete Zweitauflage unter dem erweiterten,
von Verlaine übernommenen Titel Ariettes oubliées veröffentlichte,
widmete er den Zyklus nachträglich der weiblichen Hauptdarstellerin seiner
1902 uraufgeführten Oper Pelléas et Mélisande: "Miss
Mary Garden, der unvergesslichen Mélisande, diese (bereits ein wenig
alte) Musik in herzlicher und dankbarer Anerkennung", lautet die leicht
ironische Zueignung der Ariettes oubliées.
Mark Schulze Steinen
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