Liebe op.18
Ein Zyklus von 3 Chorliedern nach Dichtungen von Johannes Scheffler
Chorwerke zu geistlichen Texten haben nur kurze Zeit
im Mittelpunkt von Cornelius' Schaffen gestanden: so in den letzten Lebensjahren,
als auch der Zyklus "Liebe" entstand, aber auch in der Zeit um 1852,
einer Aufbruchsphase im Leben des Dichterkomponisten. Damals war Cornelius,
der in Berlin studiert hatte, nach Weimar gereist, um seine Kompositionen von
Franz Liszt begutachten zu lassen. Dessen "Endurteil und Rath war",
so berichtete Cornelius "dass ich mich mit Entschiedenheit auf die Kirchenmusik
zu werfen habe." Eine Empfehlung, die nicht völlig uneigennützig
war: Schließlich hatte Liszt selbst begonnen, sich für die Komposition
von Kirchenmusik zu interessieren - mit dem Ziel, die katholische Sakralmusik
zu reformieren. [...]
Anders als Liszt wählte Cornelius für seine späten Chorwerke
nicht die große Form. Zugleich wandte er sich von den liturgischen Texten
(vor allem Messen) der früheren Jahre ab. Typisch für die sehr persönlich
gefärbte Frömmigkeit Cornelius, aber auch für seine Sensibilität
im Umgang mit poetischen Texte ist die Wahl der Vorlage, die er für seinen
1872 entstandenen Chorzyklus "Liebe" traf. Es handelt sich um drei
Gedichte des barocken Dichters und Mystikers Johannes Scheffler (1624 - 1677),
der sich nach seiner Konversion zum Katholizismus Angelus Silesius nannte. Sie
stammen aus der 1657 veröffentlichten Sammlung "Heilige Seelen-Lust
oder geistliche Hirtenlieder der in Herrn Jesus verliebten Psyche"
Carsten Niemann
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