24 Préludes op. 28
Ein Winter auf Mallorca
"Das ist einer der Ausblicke, die fast bedrückend
nichts mehr zu wünschen übrig, nichts mehr der Vorstellung überlassen.
Alles, was Dichter und Maler sich erträumen können, hat die Natur
an dieser Stelle geschaffen. Ein gewaltiges Ganzes mit unzähligen Einzelheiten
in unerschöpflicher Vielfalt, wirren Formen, ausgeprägten Konturen,
verschwommenen Tiefen, alles ist vorhanden, und die Kunst kann dem nichts hinzufügen.
[...] Ich meinerseits habe jedenfalls die Hohlheit von Worten niemals stärker
gespürt als in den Stunden, in denen ich mich in der Kartause der Betrachtung
widmete."
Es mag ja sein, dass George Sand bei der Betrachtung der Landschaft sich der
Hohlheit der Worte schmerzlich bewusst wurde. Dennoch schafft sie es, mit dieser
demutvollen Anschauung uns ebenso präzise wie sprachlich sensibel in die
Welt der 24 Préludes ihres Geliebten Frédéric Chopin zu
leiten, die er in ihrem gemeinsamen Winter auf Mallorca 1838/1839 vollendete.
Christine Mitlehner
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