Klaviersonate Nr. 2 b-Moll op. 35
An der zweiten der insgesamt drei Klaviersonaten von Frédéric Chopin haben sich die Geister seit jeher geschieden. Bereits Robert Schumann, der Chopin unmittelbar nach der Emigration aus seiner polnischen Heimat mit den Worten "Hut ab, ihr Herren - ein Genie!" im "großen musikalischen Völkerbund" willkommen geheißen hatte, nannte es "eine Caprice, wenn nicht [...] Übermut", dass der Komponist dieses Werk überhaupt als Sonate bezeichnet hatte. Denn mit dem in der Wiener Klassik ausgeprägten und seitdem unangefochten gültigen Sonaten-Modell hat Chopins op. 35 außer seiner Viersätzigkeit in der Tat wenig gemein. Schumann - weit davon entfernt, Chopins Sonate einer schulmeisterlichen Bewertung zu unterziehen - kommentierte daher, der Komponist habe hier "vier seiner tollsten Kinder" zusammengestellt. Die Nachwelt hat dieses Bild auf ganz unterschiedliche Art und Weise aufgegriffen...
Mark Schulze Steinen
Zeichen 4956