Konzert Nr. 1 für Klavier und Orchester e-moll, op. 11
Das Konzert für Klavier und Orchester in e-moll (op. 11) schrieb Chopin als Zwanzigjähriger, gleich nach dem Klavierkonzert in f-moll. (Als zuerst gedrucktes trägt es heute trotzdem die Nr. 1.) Der Komponist spielte es zuerst auf seinem letzten Konzert in Warschau (Lebhafte Bravorufe berichtete er stolz), dann in Breslau. Als er in Wien ankam, brach in Warschau der Bürgerkrieg los, der 1832 durch den Einmarsch russischer Truppen blutig beendet wurde. Von der polenfeindlichen Haltung in Wien abgeschreckt, reiste der Komponist nach Paris, wo ihm, ebenso wie anderen polnischen Flüchtlingen, eine Welle der Sympathie entgegenschlug. Aber die Konkurrenz unter den Virtuosen war groß, und die einzige Schwäche des Werkes, die zurückhaltende und schematische Orchesterbegleitung, genügte, die ersten Pariser Aufführungen zu beeinträchtigen. Das Publikum, das bereits die brillanten Orchestereffekte eines Hector Berlioz gewöhnt war, nahm das Werk äußerst kühl auf. Chopin errang seine Erfolge nicht auf dem Konzertpodium, sondern in den Pariser Salons.
Tilman Schlömp