Anton Bruckner
(1824-1896)
Sinfonie Nr. 9 d-Moll
Dem lieben Gott
Die Neunte!
Der dort anlangt, wird nicht selten von Ziffernästhetikern, in der Hand
ein imaginäres Gralshüter- Schild, so empfangen:
"Betreten verboten!"
Seit Beethovens sinfonischem Vermächtnis war die Erwartungshaltung der
musikalischen Welt an eine Sinfonie mit der Zahl 9 so hoch wie irrational und
die Fragestellungen so angestrengt wie trivial. Der Schatten Beethovens legte
sich auf diese große klassische Form und drosselte ihre Produktion. Der
Komponist, der es dennoch wagte und der magischen Ziffer sich näherte,
sah sich gezwungen, Stellung zu beziehen. So sagte Mahler einmal trotzig, Beethoven
habe nur eine Neunte komponiert, doch von seinen eigenen Sinfonien sei jede
"eine Neunte". Und Bruckner, der seine Neunte wie Beethoven in d-Moll
schrieb, soll auf eine ihm hinterbrachte diesbezügliche Äußerung
Hans von Bülows geantwortet haben: "Mit'm Beethoven werd' i' mi'
do' nöt messen! In d-Moll is' schon, weil's so viel a schöne Tonart
is', aber mit an Chor wia Beethoven - na, so dumm is' der Bruckner nöt.
Was kann i' dafür, daß mir's Hauptthema in d-Moll eing'fall'n is'
.
Christine Mitlehner
Zeichen 4385
An dieser Stelle möchten wir
auf das Buch "Anton Bruckner. Sein Werk - Sein Leben" von Manfred
Wagner (ISBN 3-900518-38-6) verweisen, in dem das kompositorische Werk Anton
Bruckners eine von allen Klischees befreite Würdigung erfährt.