Benjamin Britten
(1913-1976)
War Requiem op. 66 (1962)
Words from the Missa pro Defunctis and the poems
of Wilfred Owen
In die Liturgie der Totenmesse hat Britten Gedichte von Wilfred Owen (1893-1918) eingeschoben. Owen war Offizier in der englische Armee und fiel wenige Tage vor dem Waffenstillstand 1918. Die tiefe Enttäuschung, die aus den 1917 entstandenen Gedichten spricht, ist immer wieder geeignet, Zweifel am Erlösungsgedanken des Kirchentextes zu wecken. Der Komponist unterstützt den Kontrast der Textebenen durch die strenge Aufteilung des Klangkörpers. Der große gemischte Chor und der Solo-Sopran werden mit dem großen Orchester kombiniert. Sie entfalten zusammen große Klangpracht und vertreten mit strengen marschartigen Rhythmen die kühle festliche Objektivität der kirchlichen Totenfeier. Auf der anderen Seite stehen die männlichen Solostimmen, die nur von einem Kammerorchester unterstützt werden. Der freiere Rhythmus und die expressive Dynamik der ganz individuell geformten melodischen Bögen stellen den Menschen als Subjekt und seine Auflehnung gegen das Zelebrieren des großen Chores dar.
Tilman Schlömp
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