Benjamin Britten
(1913-1976)
Lachrymae
Reflections on a song of Dowland
für Viola und Klavier (1950)
Die pauschalen Urteile des europäischen Kontinents über die britische Musik fielen nur selten wohlmeinender aus als die über die britische Küche. Das Klischee einer gewissen rückständigen Insulaner-Eigenart ist durchaus gegenwärtig und trifft auch Benjamin Britten. Die einschlägige Musikliteratur pfercht ihn in die Schublade der "gemäßigten Moderne", ein Terminus, der insofern mit negativen Konnotationen belegt ist, als "Moderne" hier eine meist fragwürdig zentrierte musikhistorische Epoche oder Richtung anspricht, deren schwächerer Vertreter Britten also sei. Derartige Klischees stellen sich gern vor die Sache, vor die Person und vor das Werk und nötigen dem Rezipienten beim Zugang zur Musik womöglich manchen Umweg ab.
Ralf Pleger