Photo: Wah Lui

Bright Sheng, 1955 in Schanghai geboren, folgte 1982 seinen Eltern nach New York. Die Kulturrevolution (1966-1976) raubte der Familie in China die traditionellen Lebensgrundlagen, zerstörte das Erziehungssystem und schickte ihre Kinder und Jugendlichen auf die Felder. Glücklicherweise hatte der Junge bei seiner Mutter Klavierspielen gelernt, glücklicherweise war Madame Mao eine ehemalige Schauspielerin, die im politischen Machtrausch die Künste für sich instrumentalisierte, weshalb er als Pianist und Schlagzeuger, später als Dirigent und Arrangeur einer tourenden Volksmusik- und Tanzgruppe in die entlegene Provinz Qinghai, nahe der tibetanischen Grenze gesendet wurde. Derart fremdbestimmt war der Jugendliche in den folgenden sieben (!) Jahren gezwungen, hier Überlebenstechniken zu entwickeln. Durch genaues Beobachten und Zuhören, schnelles Begreifen, Reagieren, Anpassen gelang es ihm, das Schöne im Schrecklichen ausfindig zu machen: die wundervolle Erfahrung mit der Volksmusik (Bright Sheng). In dieser rauhen Region, einer einstigen Sträflingskolonie, traf er auf unterschiedlichste ethnische Gruppen wie Tibetaner, Mongolen und chinesische Muslime, für die Volksmusik die einzige Art der Unterhaltung darstellte.
Nach der Kulturrevolution gehörte Sheng zu den ersten Studenten des Schanghaier Konservatoriums und emigrierte nach der Abschlußprüfung im Fach Komposition in die USA. Hier setzte er seine Studien am Queens College und der Columbia Universität fort. Für sein kompositorisches Werk, das Opern, Orchesterstücke, Kammermusik und Liedkompositionen umfaßt, erhielt er Preise und Förderungen. Er war composer-in-residence und künstlerischer Berater bei mehreren bedeutenden amerikanischen Orchestern und Festivals und lehrt heute als Professor für Komposition an der Universität von Michigan.
Tibetan Swing wurde mit Unterstützung der Serge and Natalie Koussevitsky Music Foundation vom Brooklyn Philharmonic Orchestra gemeinsam mit dem Singapore Symphonie Orchestra (anläßlich der Eröffnung der neuen Konzerthalle 2002) in Auftrag gegeben und am 26. April 2002 in New York unter der musikalischen Leitung von Robert Spano uraufgeführt.
Die Deutsche Erstaufführung erfolgte in der Tonhalle Düsseldorf am 21. / 23. / 24. Februar 2003 durch die Düsseldorfer Symphoniker unter der musikalischen Leitung von John Fiore, am 2. März 2003 erklang das Werk im Konzerthaus Dortmund.
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