Johannes Brahms
(1833-1897)
Sonate für Klarinette und Klavier f-Moll
op.120 Nr.1 (1894)
in einer Bearbeitung für Viola und Klavier
Die Musikgeschichte der zweiten Hälfte
des19. Jahrhunderts ist im deutschsprachigen Raum geprägt vom Parteienzwist
zwischen Konservativen und Progressiven, zwischen den Anhängern der "klassisch-romantischen"
und denen der "Neudeutschen Schule". Vor allem Wien war als deutscher
Musiktradition verbundene Kulturmetropole immer wieder Schauplatz von in den
Musikjournalen der Zeit geführten verbalen Schlachten. In dem Spannungsfeld
wurde Wagner gegen Brahms ausgespielt, wobei Brahms äußerst fragwürdig
etikettiert wurde. Für die Verzerrung des Brahms-Bildes ist an erster Stelle
der Wiener Kritikerpapst Eduard Hanslick, ein musikalischer Reich-Ranicki seiner
Zeit, verantwortlich zu machen. 29-jährig hatte er 1854 seine Abhandlung
Vom Musikalisch-Schönen veröffentlicht, in der er das Wesen
der Musik als tönend bewegte Form definierte, und war damit zu einem der
Wortführer der konservativen Partei geworden. Er feierte Brahms, doch:
Ich glaube, daß Hanslick zu meiner Musik niemals ein wirkliches Verhältnis
gehabt hat, gestand Brahms einige Monate vor seinem Tod Richard Specht.
Ulrich Lenz
Zeichen 10079