Johannes Brahms
(1833-1897)

Sonate für Violine und Klavier G-Dur op. 78


"Die Kunst, ohne Einfälle zu komponieren, hat entschieden in Brahms ihren würdigsten Vertreter gefunden", spöttelte einst Hugo Wolf und fügte versöhnend hinzu: "Ganz wie der liebe Gott versteht auch Herr Brahms sich auf das Kunststück, aus nichts etwas zu machen." Damit ebnete Wolf den Weg für das lange gehegte Vorurteil, dem Komponisten Brahms mangele es an melodischer Erfindungsgabe und motivischer Prägnanz. Welch ein Mißverständnis! Im Gegensatz zu Wolf war Brahms eben kein Parteigänger einer Originalitätsästhetik, die im unverkennbaren musikalischen "Einfall" ein vorrangiges Qualitätsmerkmal einer Komposition sah. "Was geht meine ‚Erfindung' mich an?", fragte Brahms. "Das ist wie ein Samenkorn, das in der Erde liegt: entweder geht es auf oder es geht nicht auf, im letzten Falle taugte es nichts." Treffender können wir Brahms' Kompositionstechnik kaum beschreiben - höchstens am Kopfsatz seiner ersten, 1880 veröffentlichten Violinsonate verdeutlichen.

Mark Schulze Steinen
Zeichen 4271
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