Johannes Brahms
(1833-1897)

Sonate für Violine und Klavier d-Moll op. 108


Über Brahms' 1889 als Opus 108 veröffentlichte dritte Violinsonate schrieb Eduard Hanslick, sie sei "größer, leidenschaftlicher, reichhaltiger [...] als die ersten beiden" und wirke "concertmäßiger, glänzender." Wahr ist, daß Brahms in der d-Moll-Sonate das Modell der beiden Vorgängerinnen zur Viersätzigkeit erweitert und insbesondere dem Finale größere Dimensionen verleiht. Auch das weit gespannte Hauptthema des Kopfsatzes ist mit insgesamt 24 Takten länger als üblich - und gleichzeitig Zeugnis für Brahms' großen melodischen Atem. Die Betonung des "Concertmäßigen" und "Glänzenden" ist hingegen irreführend: Obwohl der Klavierpart gemessen an der G-Dur-Sonate vor allem im ersten Satz zunächst weniger selbständig erscheint, wird die Violine nie vordergründig als virtuoses Solo-Instrument behandelt. Möglicherweise spielte Hanslick mit dem Begriff eher auf die im Vergleich zu den beiden früheren Sonaten nunmehr dichtere kontrapunktische Arbeit an, die auf Brahms' Auseinandersetzung mit der Musik Bachs zurückzuführen ist.

Mark Schulze Steinen
Zeichen 3352
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