Sonate für Klavier und Violoncello e-Moll op. 38
Im 19. Jahrhundert eroberte sich die deutsche
Musik ein Terrain, auf dessen Fundamenten sich bis heute der gesamte bürgerliche
Musikbetrieb tummelt. Die Fundamente wurden gelegt durch das öffentliche
Konzertwesen mit vielen städtischen Zentren, durch Verlage, die neue Werke
herausgaben und sie auch für den Hausgebrauch einrichteten, Zeitschriften,
Fachjournale, die über musikalische Ereignisse berichteten, Kritiken publizierten
und Kämpfe zwischen Musik-Parteien öffentlich austrugen.
Die Auseinandersetzungen über die Musik Wagners und Brahms', die die Wagnerianer
und die Brahminen in Gang setzten, bieten bis zu den Entgleißungen Hugo
Wolfs ein lebhaftes Bild von der damaligen ästhetischen Rangelei über
die Standortbestimmung der Musik des 19. Jahrhunderts: Inhaltsästhetik
contra Formästhetik, Formlosigkeit contra Form, Programmusik contra absolute
Musik, Progressivität contra Konservatismus. In dieser Debatte griffen
Wagner, Liszt und ihre zahlreichen Jünger zur spitzen Feder, um die "Zukunftsmusik"
zu propagieren, gegen die Eduard Hanslick aus Wien wetterte, der den progressiven
sogenannten "Neudeutschen" sein Bild von Brahms entgegenhielt.
Christine Mitlehner
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