Johannes Brahms
(1833-1897)

Serenade Nr. 1 D-Dur op. 11
Rekonstruktion der verloren gegangenen Originalbesetzung für Nonett von Jorge Rotter (1987)


Die Serenade D-Dur durchlief einen komplizierten Entstehungsprozess. Ihre Anfänge lagen laut autographem Werkverzeichnis in der Zeit 1857-1858, als Brahms als Klavierlehrer, Hofpianist und -dirigent am Detmolder Hof wirkte. In der ersten Konzeption der Serenade scheint Brahms eine solistisch besetzte Kammermusik mit vier Sätzen im Ohr gehabt zu haben in der Größenordnung eines Nonetts. In engem künstlerischen Gedankenaustausch mit dem Freund und Geiger Joseph Joachim sowie privaten Proben in Göttingen und Hannover wurden für eine erste öffentliche Aufführung in Hamburg am 28. März 1859 die Streicher deutlich verstärkt. Bei dieser Hamburger Soirée im Wörmerschen Saal handelte es sich nunmehr um die Fassung für kleines Orchester in sechs Sätzen.
Musiker und Komponisten haben häufig den Wunsch, die Genese eines publizierten Werks an Hand von Skizzen, verworfenen Teilen, Korrekturen zu verfolgen, um so dem Denken und Fühlen des Komponisten auf die Schliche zu kommen. Die erste Fassung der Serenade ist verschollen, doch es hat den Argentinier Jorge Rotter gereizt, die große Orchesterfassung in die "ursprüngliche" Nonett-Besetzung zurück zu führen, und er gab 1987 eine spekulative "Rekonstruktion der verloren gegangenen Originalbesetzung für Nonett" - natürlich zur Freude aller kammermusikalisch orientierten Instrumentalisten - heraus.

Christine Mitlehner
Zeichen 5923

Zu diesem Werk in der Orchesterfassung ist auch ein Text von Mark Schulze Steinen lieferbar Informationen zu musiktext.de