Johannes Brahms
(1833 - 1897)
Ein deutsches Requiem
Nach Worten der Heiligen Schrift
Für Soli Chor und Orchester op. 45
Ein Ton der Trauer findet sich in vielen Werken des Komponisten, nicht nur in der Vokalmusik. Langsame Sätze seiner Klaviersonaten versah er mit volksliedhaften Motti, so z.B. O wüßtest du, wie bald, wie bald die Bäume welk und kahl der Wald (in der Klaviersonate op. 5) oder das Minnelied Mir ist leide das der winter beide walt un ouch die heide hat gemachet val (in der Klaviersonate op. 2). Auch im alltäglichen Leben leistete Brahms Trauerarbeit, die seine Suche nach Ruhe und Geborgenheit begleitete. Nachdem er seine Geburtsstadt Hamburg widerstrebend verlassen hatte, schrieb er aus Wien an Clara Schumann: "Wie selten findet sich für unsereinen eine bleibende Stätte, wie gern hätte ich sie in der Vaterstadt gefunden." - "Jetzt, hier, wo mich so viel Schönes erfreut, empfinde ich doch, und würde es immer empfinden, daß ich fremd bin und keine Ruhe habe." Schon die Formulierung von der bleibenden Stätte verweist auf den sechsten Abschnitt des Deutschen Requiems. Dieses Werk läßt sich insofern als geistlicher Exkurs sowohl zur schöpferischen Trauerarbeit als auch zur gelebten Melancholie verstehen.
Tilman Schlömp
Zeichen 6109
Zu diesem Werk ist auch ein Text von Carsten
Niemann lieferbar