Johannes Brahms
(1833-1897)
Liebeslieder op. 52
Neue Liebeslieder op. 65
Brahms' Liebeslieder op. 52 beschreiben in heiterster
Laune die vorehelichen Freuden der Liebe. Die Textgrundlage für diesen
Zyklus von 18 Miniaturen bildet Georg Friedrich Daumers Polydora, eine
Sammlung freier Übertragungen polnischer, russischer und ungarischer Volksdichtungen,
die von vielfältigen erotischen Verlockungen erzählen. Nur hin und
wieder mischt sich ein (leicht ironischer) Unwille in den volksnahen Grundton
dieser Lieder - etwa in "Nein, es ist nicht auszukommen" (Nr. 11),
in dem sich ein unbekannter polnischer Volksdichter darüber ärgert,
dass sein Liebeswerben von (missgünstigen?) Beobachtern ständig falsch
gedeutet wird.
Die landläufige Bezeichnung Liebeslieder-Walzer rührt von dem
vollständigen Titel des Werkes her: Liebeslieder. Walzer für das
Pianoforte zur vier Händen. Erst nach langen Überlegungen konnte
sich Brahms dazu durchringen, auch die vier Vokalstimmen zu veröffentlichen
und den Zusatz und Gesang ad libitum in den Werktitel aufzunehmen. Denn
ursprünglich waren die Liebeslieder-Walzer als reine Klavierkomposition
gedacht.
Bei den 1875 veröffentlichten Neuen Liebesliedern im Vergleich fällt
Brahms' Textauswahl im Vergleich zu dem früheren Zyklus geradezu düster
aus: Daumers Verse sprechen hier fast ausschliesslich von Misstrauen, Enttäuschungen
und Verzicht. Dementsprechend ist die Musik trotz desselben wienerischen Schwungs
herber, leidenschaftlicher und weniger verspielt.
Mark Schulze Steinen
Zeichen 9117