Pierre Boulez
(*1925)

Rituel in memoriam Bruno Maderna
für Orchester in acht Gruppen (1974/75)


"Wenn man schreibt, stößt man oft, wo nicht gar immer, auf die Schwierigkeit, die Ebene der Mikro-Strukturen und die der Makro-Strukturen korrekt und frei in Dialog zu bringen, und zwar so, dass sie im Augenblick wie im Ganzen aufeinander verweisen. Mit anderen Worten: Die lokalen Ordnungen müssen unmittelbar oder durch aufeinander folgende Stufen aus einer sehr allgemeinen, ihrer Natur nach biegsamen Idee hervorgehen. Die Idee muss unmittelbarer Ausdruck des Systems sein, das System muss auf die zu verwirklichende Idee hin gesucht und gefunden werden."
Pierre Boulez hat sich intensiv mit dem Verhältnis von System und Idee oder auch Großform und Thematik beschäftigt. Die Beziehung einer ursprünglichen Idee zu ihrer kompositorischen Ausgestaltung und thematischen Verarbeitung sowie die Vermittlung musikalischer Strukturen auf unterschiedlichen Ebenen einer Komposition sind auch in "Rituel in memoriam Bruno Maderna" von zentraler Bedeutung. Denn in keinem seiner Werke hat sich Boulez intensiver mit einer fast beschwörenden, rituellen und auf Wiederholungen basierenden Musiksprache beschäftigt als in dieser Trauermusik, die in seinem Œuvre hinsichtlich der Darstellung von Idee und systematischer Ausformulierung durchaus eine Ausnahmestellung einnimmt.

Martin Demmler
Zeichen 11435
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