Streichquartett Nr. 2 D-Dur
"Vor der Begegnung mit mir hielt er sich lediglich
für einen Dilettanten und maß seinen Kompositionsübungen keinerlei
Bedeutung bei. Mir scheint, dass ich der erste war, der ihm sagte, dass seine
wirkliche Berufung das Komponieren ist", berichtete der russische Komponist
Mili Balakirew dem Freund Wladimir Wassiljewitsch Stassow, einem der einflussreichsten
Musikkritiker seiner Zeit und engagierten Förderer des "Mächtigen
Häufleins". Er sprach von Alexander Borodin, den er an einem der gesellschaftlichen
Abende des bekannten russischen Mediziners und Professors der Medico-Chirurgischen
Akademie, Sergej Petrowitsch Botkin, im Winter 1862 kennen gelernt hatte. Balakirew
traf Borodin deswegen dort, weil jener als anerkannter promovierter Chemiker
und Arzt gerade seine Stelle an der Akademie angetreten hatte, wo er als Professor
bis zu seinem Lebensende wirken sollte.
Rimski-Korsakow äußert sich gegenüber Semjon Kruglikow am 5.
Dezember 1881 mit interesselosem Wohlwollen: "Borodin hat in diesem Sommer
ein zweites Quartett geschrieben - ganz nett, aber nichts Umwerfendes."
Es gilt festzuhalten, dass Borodins Streichquartette neben denen Tschaikowskys
zu den ersten Werken dieses Genres in der russischen Musik gehören.
Christine Mitlehner
Zeichen 5163