Leonard Bernstein
(1918-1990)

2. Symphonie "The Age of Anxiety" (1949 / 1965)


Seine zweite Sinfonie The Age of Anxiety habe er "in Taos, in Philadelphia, in Richmond / Massachusetts, in Tel-Aviv, in Flugzeugen, in Hotelhallen und schließlich (in der Woche vor der Premiere) in Boston" komponiert, schrieb Leonard Bernstein im Vorwort zur Partitur des 1949 uraufgeführten Werkes. Der damals 31-jährige führte zu diesem Zeitpunkt das Leben eines künstlerischen Nomaden: Als Pianist und Dirigent, zunehmend auch als Komponist war Bernstein bereits international gefragt. In späteren Jahren rundeten Tätigkeiten als Pädagoge, Autor und Moderator eigener Fernsehsendungen das Bild einer der vielseitigsten musikalischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts ab.
Wie tief Bernsteins Musik in der jüdischen Abstammung ihres Komponisten verwurzelt ist, zeigt sich an seinen drei Symphonien. Zugleich belegen sie, dass Bernstein, dessen früheste Komposition aus dem Jahr 1938 eine Vertonung des 148. Psalms war, sich nicht als religiöser Komponist verstand. Allein die Wahl der Gattung macht deutlich, dass Bernstein an der ästhetischen Autonomie seiner Kunst festhielt und sie nicht den Dienst der Religionsausübung stellte. Dieser Aspekt wird durch die Bandbreite der von Bernstein eingesetzten, weit über die traditionsgemäß als sakral verstandenen Stilmerkmale hinausreichenden musikalischen Mittel unterstrichen.

Mark Schulze Steinen
Zeichen 9433

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